{"id":4991,"date":"2019-04-22T08:35:48","date_gmt":"2019-04-22T06:35:48","guid":{"rendered":"https:\/\/durch-die-haut.de\/?p=4991"},"modified":"2020-06-09T16:35:17","modified_gmt":"2020-06-09T14:35:17","slug":"andernacher-retter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/andernacher-retter\/","title":{"rendered":"Waren Bierbrauer oder B\u00e4ckerjungen die Andernacher Retter?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5169\" style=\"width: 1930px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5169\" class=\"lazyload size-full wp-image-5169\" src=\"https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach.jpg\" data-orig-src=\"https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach.jpg\" alt=\"Essbare Stadt Andernach\" width=\"1920\" height=\"1080\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271920%27%20height%3D%271080%27%20viewBox%3D%270%200%201920%201080%27%3E%3Crect%20width%3D%271920%27%20height%3D%271080%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-200x113.jpg 200w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-240x135.jpg 240w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-400x225.jpg 400w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-480x270.jpg 480w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-600x338.jpg 600w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-768x432.jpg 768w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-800x450.jpg 800w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-960x540.jpg 960w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach-1200x675.jpg 1200w, https:\/\/durch-die-haut.de\/wp-content\/uploads\/ltslohmann-essbares-andernach.jpg 1920w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><p id=\"caption-attachment-5169\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 90Grad Photography\/Hilger &amp; Schneider GbR<\/p><\/div>\n<p><strong>Kulturgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Wer nach Andernach vom Rhein her in die Stadt kommt, kann sie gar nicht \u00fcbersehen. Am so genannten Innentor der \u00e4ltesten Doppeltoranlage im Rheinland stehen auf sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgten Basaltkonsolen zwei \u00fcberlebensgro\u00dfe Tuffsteinfiguren aus dem 13. Jahrhundert. Urspr\u00fcnglich waren sie bunt bemalt und signalisierten jedem Ankommenden Wachsamkeit, denn Ihrer Position am Tor gem\u00e4\u00df waren es Soldaten oder W\u00e4chter.<\/p>\n<p>Die aber mutierten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, in der Zeit, als der Bonner Germanistikprofessor Karl Simrock in der 1869 erschienenen Auflage der \u201eRheinsagen \u2013 aus dem Munde des Volkes und deutscher Dichter\u201c auch die Sage von den Andernacher B\u00e4ckerjungensage Schwarz auf Wei\u00df festhielt, eben zu den beiden wachsamen Nachwuchsb\u00e4ckern.<\/p>\n<p>Simrock war allerdings nicht der erste, der ihre Geschichte aufschrieb; schon vierzehn Jahre zuvor hatte dies Wilhelm Reuter, seines Zeichens Altphilologe und Gymnasiallehrer, getan.<\/p>\n<h2>Worum geht es?<\/h2>\n<p>Zwei fremde B\u00e4ckerjungen bewahren die offenbar eher verschlafenen Andernacher vor einem n\u00e4chtlichen \u00dcberfall der streitbaren Linzer. Die wollen sich r\u00e4chen f\u00fcr die R\u00fcckverlegung des eintr\u00e4glichen Rheinzolls. Der hatte im 14. und 15. Jahrhundert tats\u00e4chlich, je nach Gunst des K\u00f6lner Erzbischofs oder des deutschen Kaisers, mehrfach die Rheinseite gewechselt, war mal den Linzern, mal den Andernachern gew\u00e4hrt worden. Die beiden B\u00e4ckerjungen jedenfalls torpedierten die schon mit dem Rammbock zum Sturm bereiten Angreifer vor dem Rheintor mit Bienenk\u00f6rben. Die in der Zwischenzeit alarmierte Stadtwache besorgt den Rest und verjagt die arg zerstochenen Linzer endg\u00fcltig. So, wie es Simrock in gereimter Form festh\u00e4lt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Den Linzern w\u00e4r der Streich gelungen,<br \/>\nSie \u00e4\u00dfen Andernacher Brot,<br \/>\nWenn nicht zwei fremde B\u00e4ckerjungen<br \/>\nden Meistern halfen aus der Not.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sie waren auf den Turm gelaufen<br \/>\nund standen, frischen Honigs satt;<br \/>\nDa sahen sie den Linzer Haufen,<br \/>\nder \u00fcberrumpeln will die Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch als sie jetzt ans Stadtthor r\u00fccken,<br \/>\nwas war der B\u00e4ckerknaben Gru\u00df?<br \/>\nDie Bienenk\u00f6rb in tausend St\u00fccken<br \/>\nschleudern sie ihnen vor den Fu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Da stechen ungez\u00e4hlte Summer,<br \/>\nund hundert t\u00f6ten einen Mann;<br \/>\nGewi\u00df, da zog die beste Nummer,<br \/>\nwer noch mit heiler Haut entrann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Jungen zerren an den Glocken,<br \/>\naufstehn die Andernacher Herrn;<br \/>\nSie finden in die Milch zu brocken,<br \/>\ndoch keinen Feind mehr nah und fern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eWir hatten trefflich uns gebettet;<br \/>\nJa, solche Wacht empfahl Vernunft;<br \/>\nUnd hat kein B\u00e4cker uns gerettet,<br \/>\nso thats die junge B\u00e4ckerzunft.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kommt ihr ins Thor, ihr seht inwendig<br \/>\nnoch heut die B\u00e4ckerjungen stehn.<br \/>\nUnd halten sie die Wacht best\u00e4ndig,<br \/>\nkein Linzer l\u00e4\u00dft sich leicht mehr sehn.<\/p>\n<p>Auch wenn es Simrock hier als gegeben annimmt, dass es sich bei den beiden Tuffsteinfiguren am Rheintor \u2013 in fr\u00fcheren Zeiten, nach der dahinterliegenden Gasse, Korntor genannt &#8211; wirklich um die beiden t\u00fcchtigen B\u00e4ckerjungen handelt: Es gibt noch eine andere, \u00e4ltere Variante der Sage von der Errettung der Stadt. Die hatte der 1789 in Koblenz als Sohn eines kurtrierischen Hofrats geborene Jurist, Schriftsteller und Philosoph Friedrich Wilhelm Carov\u00e9 1816 zusammen mit anderen Sagen und M\u00e4rchen vom Rhein den auch solche Stoffe emsig sammelnden Gebr\u00fcdern Grimm geschickt. Und da sind es keine B\u00e4ckerjungen, sondern zwei Bierbrauer, und es geht auch nicht um die neidischen Linzer, sondern die zweite Belagerung der Stadt durch schwedische Truppen w\u00e4hrend des 30j\u00e4hrigen Kriegs. Die werden von den wachsamen Brauern mit hei\u00dfem Wasser vertrieben.<\/p>\n<h2>Alter Schwede\u2026..<\/h2>\n<p>Tats\u00e4chlich hatten 1632 die Truppen des schwedischen Generals Wolf Heinrich von Baudissin die Stadt erstmals besetzt und ausgepl\u00fcndert, weil sie Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr die Schweden ablehnte. Als im M\u00e4rz des folgenden Jahres Andernach von kaiserlichen und spanischen Truppen beschossen wurde, legten die Schweden die Stadt in Feuer und Asche \u2013 bei dem Brand wurden 197 H\u00e4user zerst\u00f6rt &#8211; und zogen sich zur\u00fcck. Im Dezember 1633 starteten sie noch einmal, nun vergeblich, einen Besetzungsversuch.<\/p>\n<p>Wie Carov\u00e9 an die Geschichte kam, steht nicht fest. Aber schlie\u00dflich arbeitete er nach seinem Jurastudium an der von den Franzosen in Koblenz eingerichteten Rechtsfakult\u00e4t von Februar bis August 1816 in Andernach als Einnehmer der Rheinschiffahrtsgeb\u00fchren, die noch bis 1831 von den Rheinuferstaaten erhoben wurden. In jedem Fall d\u00fcrfte es im 17. Jahrhundert auch in dieser Stadt Bierbrauer gegeben haben, denn Bier war, angesichts des oft wenig sauberen Trinkwassers, ein reichlich konsumiertes Getr\u00e4nk. Gebraut h\u00e4ufig gar von Frauen, nicht nur von Nonnen im Kloster, sondern auch am heimischen Herd.<\/p>\n<p>Die Sage der rettenden Andernacher Bierbrauer ist nicht das einzige literarische Werk Friedrich Wilhelm Carov\u00e9s, das sich mit Andernach und dem Mittelrhein besch\u00e4ftigt. Mehr dazu in unserer n\u00e4chsten \u201eKultur-Geschichte\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bildquelle: \u00a9 90Grad Photography\/Hilger &amp; Schneider GbR<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer hat die Andernacher gerettet &#8211; Bierbrauer oder B\u00e4ckerjungen? Verschiedene Autoren bejubeln unterschiedliche Retter.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":5169,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[60],"class_list":["post-4991","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeines","tag-andernach"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4991","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4991"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4991\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5548,"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4991\/revisions\/5548"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5169"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4991"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4991"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/durch-die-haut.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}